Blue Marble

Ausblick der Astronauten der Apollo 17 Mission auf die Südhalbkugel der Erde (NASA/Public Domain).

Klimaziele gab es viele. Effektiv waren sie bisher nicht: Die Atmosphäre enthält mehr Kohlenstoffdioxid als jemals zuvor. Als Folge war das Jahr 2016 das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Weder Staaten noch Unternehmen konnten den Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre eindämmen. Bis jetzt. Mit dem Beschluss des Pariser Klimaabkommens setzte die internationale Gemeinschaft ein Zeichen.

Beim Klimaschutz glänzte die Wirtschaft aber bisher nicht, denn die zum Teil unambitionierten Klimaziele sind nicht geeignet, um das 2°C Ziel zu erreichen. Mit den „Science Based Targets“ (SBT) der gleichnamigen Initiative des CDPs, des WWFs, des UN Global Compacts und des World Resource Institutes haben Unternehmen einen neuen Unterstützer, um ihre Klimaziele in Einklang mit dem Abkommen zu definieren.

Abgeleitet wurden die SBT aus den Veröffentlichungen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und der International Energy Agency (IEA). Mit Hilfe dieser Arbeiten entwickelte die Initiative einen neuen Ansatz zur Definition von Klimazielen: Den „Sektorbasierten Dekarbonisierungs-Ansatz“ (SDA). Der Ansatz hilft Ziele zu definieren, die im Einklang mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft und den erforderlichen globalen Einsparungen zur Einhaltung des 2°C-Zieles sind. Neben den IPCC Klimaberichten, basiert der Ansatz auf den detaillierten Sektorszenarien der IEA für den Zeitraum von 2011 bis 2050. Mit Hilfe der Szenarien können Annahmen zur langfristigen Entwicklung der wirtschaftlichen Aktivität und den zulässigen Emissionsbudgets einzelner Sektoren (z.B. für den Energiesektor) abgeleitet werden. Entscheidend dafür sind die direkten Gesamtemissionen des jeweiligen Sektors geteilt durch seine wirtschaftliche Aktivität im entsprechenden Jahr. Die Prämissen des Ansatzes sind einerseits ein fortschreitendes Weltwirtschafts- und Bevölkerungswachstum und andererseits die Ausnutzung technischer Möglichkeiten und deren Fortschritte zur Emissionsreduktion. „Wissenschaftlich“ sind die Ziele aber nur deshalb, weil sie dem erforderlichen Grad der Dekarbonisierung, um den globalen Temperaturanstieg auf maximal 2°C begrenzen, und dem aktuellen Stand der Klimawissenschaft entsprechen.

Wichtig für die SBT ist das „globale Emissionsbudget“. Je nach angepeiltem Limit des Temperaturanstieges, darf nur noch eine bestimmte Menge CO2 emittiert werden – das Restbudget. Von der Industrialisierung bis zum Jahr 2011 gelangten bereits circa 1.890 Gigatonnen (Gt) CO2 in die Atmosphäre (CDP, WWF und WRI). Um das 2°C Ziel einzuhalten, darf das Emissionsniveau aber 2.900 Gt CO2 (IPCC) nicht überschreiten. Damit umfasst das verbleibende Budget nur noch 1.110 Gt CO2 – pro Jahr betragen die globalen Emissionen circa 50 Gigatonnen. Bei fortschreitenden Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum müssen die CO2-Emission deshalb je nach Sektor stärker oder weniger stark reduziert werden. An dieser Stelle setzt der sektorspezifische Ansatz an und definiert für Unternehmen aus unterschiedlichen Sektoren entsprechende Ziele.

 

Verlauf der notwendigen Emissionsreduktion (absolut) einzelner Sektoren von 2011 bis 2050 zur Einhaltung der Pariser Klimaziele auf Basis des sektorbasierten Dekarbonisierungs-Ansatzes (SBT).

 

Neben dieser Methode existieren noch eine Reihe weiterer wissenschaftlich basierter Ansätze. Der Vorteil dieser ist es, dass kommunikative Aspekte in den Hintergrund rücken. Ein jährliches Reporting gehört mittlerweile zum Mindeststandard der Nachhaltigkeitsberichtslegung und wird auch durch die SBT gefordert. Von wenig ambitionierten Unternehmenszielen, wie z.B. dem klangvollen „20% Reduktion bis 2020“, bleibt die Welt zukünftig aber hoffentlich verschont. Die Orientierung am Pariser Klimaabkommen und den dazugehörigen Veröffentlichungen ist eine logische Konsequenz der bisherigen Entwicklungen. Kaum jemand zweifelt die grundsätzlichen Aussagen der IPCC Klimaberichte mehr an – außer Donald Trump.

Aktuell sind 210 Unternehmen bei der Initiative registriert und 33 Unternehmen haben bereits ihre spezifischen CO2-Ziele definiert, z.B. P&G, Coca Cola oder Dell. Aus Deutschland beteiligen sich erst 10 Unternehmen an der Initiative.

Mehr Informationen zur Initiative und teilnehmenden Unternehmen finden Sie hier.