rohstoffe_headerBayer kauft Monsanto – und alles ruft „Pfui Spinne!“ (ein Ausruf, der in Zeiten 1.000-fach accelerierten Artensterbens eigentlich gar nicht mehr PC-konform ist). Die Menschen sollten innehalten und die Lage neu bewerten. Es ist an der Zeit, alte (Meinungs)Zöpfe abzuschneiden. Und endlich das Ganze zu sehen.

Ich habe den heimischen Augiasstall einmal gründlich ausgemistet.  Dabei ist mir ein Buch in die Hände gefallen, aus dem die obenstehenden Zitate stammen. Das Buch trägt den Titel „Die Rohstoffe unserer Erde – das materielle und geistige Potenzial der Welt“ und wurde von Henry Guttmann verfasst. In deutscher Sprache erschienen ist es im (Heia!) Safari-Verlag zu Berlin – anno 1952 – und heute beispielsweise auf dem Amazon-Grabbeltisch für ein paar Eurocent erhältlich.

Viele Prognosen haben es in der Tat verdient, zügig im Ausverkauf zu landen. Zum Beispiel die von jungdynamischen Finanzanalysten, die mit ihren dürftig abgesicherten Aussagen regelmäßig Markthysterien herbei fantasieren.  Guttmanns Thesen lesen sich dagegen wie eine Blaupause den „Grenzen des Wachstums“, wie sie der Think Tank Club of Rome zwanzig Jahre später formulieren sollte – was inzwischen auch schon wieder 45 Jahre her ist.

Was sich seitdem geändert hat? Richtig… Groundhog day.

Der Club of Rome bilanzierte seinerzeit:

(…) Der Bericht (… ) zeigt, dass es möglich sein wird, eine große, aber zahlenmäßig beschränkte Weltbevölkerung mit einem guten materiellen Lebensstandard zu versorgen, der eine fast unbegrenzte individuelle und soziale Weiterentwicklung gestatten wird.“

Dabei sei evident,

(…) dass jeder vernünftige Versuch, einen dauerhaften Gleichgewichtszustand durch geplante Maßnahmen herbeizuführen, letztlich nur bei grundsätzlicher Änderung der Wert- und Zielvorstellungen des Einzelnen, der Völker und auf der Weltebene von Erfolg gekrönt sein wird. 

Gedruckte Bücher geraten sukzessive aus der Mode. Mag sein. Aber dass einmal in ihnen niedergelegte Aussagen einen sechzig Jahre später aus dem Keller heraus anwehen – diesen Leistungsnachweis muss das Internet erst noch antreten. Das Netz, das nichts vergisst. Auch das mag sein. Problem ist nur: Wir werden vergesslich.

Übrigens: Just hat der Club of Rome eine weitere Thesensammlung vorgestellt: „Ein Prozent ist genug“ stößt nicht auf ungeteilte Kritik; aber er unterstreicht Aspekte, die der Club bereits vor Jahrzehnten betont hatte: zum Beispiel das Weltbevölkerungswachstum und die sich daraus ergebenden Konsequenzen – womit sich der Kreis zu Guttmann, Bayer und Monsanto schließt: Die gravierenden Fragen werden sicher nicht auf dem SUV-Parkplatz vorm Bio-Supermarkt entschieden.