Kaufen, trinken, wegwerfen. Und dann der nächste Kaffee – die Becher türmen sich. (Quelle: Quinn Dombrowski)

Der Wecker klingelt bereits zum zweiten Mal und trotzdem dreht man sich noch einmal um, bevor einen das dritte Klingeln dann endgültig und unter Zeitdruck aus dem Bett jagt. Die alltägliche Qual, morgens rechtzeitig aus dem Bett zu kommen – wer kennt sie nicht? Zu einer Zeit aufzustehen, die es zulassen würde, dass man sich ganz entspannt anzieht, ein gesundes und ausgewogenes Frühstück zu sich nimmt und dann sogar noch Lunchtüten für die Mittagspause packt – das schaffen doch nur diejenigen von uns, die auch jeden Morgen voller Tatendrang auf dem Fahrrad zur Arbeit angerollt kommen, als wären sie bereits seit fünf Stunden auf den Beinen. Natürlich wäre es schön, mittags die liebevoll vorbereiteten Brotdosen vor sich aufzutürmen, vollgepackt mit derart köstlichem Inhalt, dass die Kollegen vor Neid nur so erblassen. Aber letztendlich sind es doch immer der schnelle „Coffee to go“, die Instantnudeln und die kleine Leckerei vom Bäcker des Vertrauens, die uns mittags satt machen sollen.

Dass das nicht gesund ist, na gut, darüber sind wir uns insgeheim doch alle im Klaren. Aber welche zusätzlichen Folgen unser Last-Minute-Essverhalten hat, ist schnell vergessen. Rund 212 Kilogramm Müll produziert jeder Mensch in Deutschland pro Jahr. Nehmen, verbrauchen, Verpackung wegwerfen. Und das meist mehrmals am Tag. 320.000 Kaffeebecher landen in Deutschland pro Stunde in der Tonne. Das bedeutet nicht nur, dass der Abfall sich immer höher türmt, sondern auch, dass wir, allein bei der Produktion von Pappbechern, jährlich eine Energiemenge verschwenden, mit der eine ganze Kleinstadt versorgt werden könnte.

Immer öfter setzen Unternehmen deshalb auf Verpackungsstoffe aus biologisch abbaubaren Materialien. Biokunststoff, Bambusfasern und Zuckerrohr sollen die Umwelt aufatmen lassen. Diese Bio-Verpackungen sind im Einkauf aber teurer als herkömmliche Kunststoffe – der Endpreis für die Konsumenten steigt. Außerdem sind die Bio-Verpackungen so dicht gepresst, dass sie gar nicht oder unvollständig verrotten, bevor sie als Dünger auf den Böden landen. Diese werden dadurch übersäuert und überdüngt. Hinzu kommt: Der Energieaufwand bei der Herstellung der Bio-Verpackungen bleibt ebenfalls derselbe wie bei chemischen Kunststoffen – eine Kleinstadt könnten wir damit also immer noch versorgen.

Hm. Nun stehen wirVerbraucher also da. Ohne Zeit, aber mit knurrendem Magen. Ohne Kenntnis darüber, welche Verpackungen wir denn nun eigentlich unterstützen sollen. Ganz klar: Nachhaltig sollen sie sein. Aber eben nur, wenn die Verpackungsalternative auch wirklich nachhält. Aus diesem Grund geht der Trend zur Mitnahme von eigenen Behältern für den individuellen Nahrungstransport. Und die gibt es sogar aus den hochgelobten Biokunststoffen, Bambusfasern und Co!

Dann reicht man der Verkäuferin morgens beim Bäcker die Brotbox über die Theke, anstatt das Hörnchen im Knisterpapier entgegen zu nehmen, das ohnehin gleich in den nächsten Mülleimer wandert. Dann schlürft man seinen morgendlichen Kaffee aus dem eigenen Bambusbecher, wäscht ihn aus und kann ihn direkt wieder benutzen. Zum Supermarkt nimmt man dann seine Stoffbeutel mit, anstatt nach dem Einkauf die 150. Plastiktüte in die viel zu kleine Schublade zu stopfen, die bloß dazu dient, all die Plastiktüten zu verstauen, die man – wegen seines schlechten Gewissens – nicht wegwerfen will, nachdem man sie gerade erst für zehn Cent an der Kasse erstanden hat. Und wer es doch einmal schafft, am Abend für den nächsten Tag vorzukochen, der hat schon eine Box für das Essen zur Hand, mit dem er am nächsten Tag die Bäuche der Kollegen zum Knurren bringt.

Der erste Schritt zur Nachhaltigkeit im Alltag liegt schließlich nicht bei den Verpackungsangeboten der Händler. Er liegt bei uns selbst. Ich möchte eine Paprika kaufen – brauche ich dann wirklich eine dieser Tüten, die bereits weltweit in den Ozeanen treiben? Ich brauche zu Fuß bloß 15 Minuten zur Arbeit – muss ich dann wirklich mit dem Auto fahren? Das Oberteil ist mir zu klein – muss ich es wirklich wegschmeißen, oder kann ich es nicht vielleicht doch lieber weitergeben?

Ein immer häufigeres Bild: Ozeane werden von Plastikmüll verschmutzt. (Quelle: Max Lee)

Es ist eine Binsenweisheit der Marktwirtschaft: Das Angebot reagiert auf die Nachfrage. Wenn viele Menschen Plastiktüten kaufen, dann werden auch viele Plastiktüten produziert. Die Lösung für das Problem der Verschmutzung ist Wiederverwendung – und das gilt für alle Güter. Plattformen wie Ebay, Kleiderkreisel und Booklooker machen das einfacher denn je. Vielleicht wiegt unser Müllberg nächstes Jahr dann weniger als 212 Kilogramm pro Kopf und vielleicht fällt dann einmal weniger als die Stammmenge einer Kleinstadt an. Und vielleicht haben wir dann eine Schublade für Tragetaschen, die zugeht, ohne dass man quetschen muss und Ozeane, in denen hauptsächlich Fische und Algen anstelle von Plastik schwimmen. Vielleicht.