cover_2Breiter kann das Spektrum eines einzigen Tagen kaum ausfallen: Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) kürt „post-faktisch“ zum Wort des Jahres 2016 (vor Brexit und Silvesternacht) – und die große Demokratin Hildegard Hamm-Brücher verstirbt höchstbetagt.

„Tatsachen ignorieren und offensichtliche Lügen akzeptieren“ – das war Hamm-Brüchers Sache nicht. Gerade vor dem Hintergrund ihrer eigenen Biographie hat sie sich mit ganzer Kraft für das Gelingen unserer Gesellschaft eingesetzt. Nibelungentreue Parteidisziplin war ihr dabei ebenso fremd wie Opportunismus im Streben um Ämter. Haltung hatte Hamm-Brücher, das trifft es wohl.

Ein größerer Gegensatz zum Wort des Jahres, „post-faktisch“, wäre kaum denkbar; jenem Signum des Jahres 2016, das im britischen Brexit sowie dem Präsidentschaftswahlkampf in den Vereinigten Staaten seine vorläufigen Höhepunkte fand.

In Zeiten, in denen Fakten-verleugnende Hate Speech als „Geisteshaltung“ nicht nur Einzug in den politischen Betrieb hält, sondern zunehmend auch das Verhalten vieler Menschen im privaten Leben prägt, sind wegweisende Konstanten unverzichtbar: Menschen, die – im Kleinen wie im Großen – Kurs halten und ihre Tage nicht mit „Abschnitten“ und „Strömungen“ verschwenden.

Hildegard Hamm-Brücher wird fehlen – und das nicht als einzige.

Indes, es mag ein Trost sein, dass die gefühlt sehr lange Liste der wesentlichen Toten dieses Jahres auf zwei banale Ursachen zurückgeht:

  1. Mit dem Aufkommen der elektronischen Massenmedien in den 1950er und 1960er Jahren wurden den Menschen schlichtweg mehr Exponenten aus Politik, Wissenschaft und Kultur bekannt („aus Film, Funk und Fernsehen“).
  2. Diese „Prominenten der ersten Generation“ kommen nun eben in ein Alter, in dem ihr Versterben immer wahrscheinlicher wird.

reigen„Irgendwann ist eben Ende.“ – so formulierte es der große Journalist Hanns Joachim Friedrichs (1927 – 1995) in seinem letzten Interview. Tempus fugit – die Herausforderungen bleiben.

Und jeder hat jeden Tag die Chance, diese anzugehen. Für eine gelingende Gesellschaft. Ganz ohne Parteibuch. Immer mehr Menschen tun das: Das BMFSFJ verzeichnet innerhalb der letzten 15 Jahre einen Zuwachs der gemeinnützig engagierten Bundesbürger um knapp zehn Prozent auf zuletzt etwa 31 Millionen. Das ist in einem Wort: ermutigend.

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/freiwilliges-engagement-in-deutschland-/96254