rentnerEine knappe Million deutscher Rentner bessert ihr Salär über geringfügige Beschäftigung auf. Daran dürfte auch die größte Rentenerhöhung seit mehr als 20 Jahren wenig ändern. Wer einen Blick auf die Bevölkerungsprognosen für die Bundesrepublik wirft, fragt sich besser früher als später, wie er sein (Arbeits)Leben bis zum Ruhestand bestreiten möchte – und wie es danach weitergehen soll.

Eine recht kurzweilige Annäherung an diese Frage bietet nun das Haus von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles: Unter www.arbeitenviernull.de kann jeder selbst herausfinden, wofür er eigentlich morgens aufsteht. Das Ganze funktioniert im Prinzip wie die Psycho-Tests, die es früher in Programmzeitschriften gab (die man am besten zu zweit durchführte, damit nicht wusste, welches das jeweilige Thema des Tests war, und entsprechend antwortete). Neu ist, dass man auch vorzeitig aussteigen und sein persönliches Zeugnis in Empfang nehmen kann – weil clevere Algorithmen einen bereits ausgelesen und einsortiert haben, ehe das letzte Kreuzchen gesetzt ist.

psychotestAuf eine Einschränkung ist hinzuweisen: Frau Nahles Kristallkugel gibt nur Aufschluss über die Werte, nicht aber den Wert der Arbeit – oder etwa deren Entlohnung. Für die heutigen Rentner kommt aber auch diese Hilfestellung ohnehin zu spät. Sie haben sich die entsprechenden Fragen hoffentlich bereits früher selbst gestellt und zufriedenstellend beantwortet – und müssen sich ansonsten mit dem begnügen, was sie haben. Wenn das nicht ausreicht, ist eben ausbessern angezeigt. Und so stellen die Rentner die größte Gruppe aller deutschen Minijobber.

Der junge Klaus Mann notierte einst

Ruhe gibt es nicht, bis zum Schluss.

Und so war es dann in seinem Fall auch. Allerdings muss das sehr anstrengend gewesen sein: Mann erreichte das Rentenalter nicht annähernd, sondern beendete sein Leben bereits mit 42 Jahren. Die Frage stellt sich also: Kann das eine wünschenswerte Lebenshaltung sein?

Vor gut 30 Jahren gab es eine spektakuläre Revolution der Alten gegen ein Leben in Arbeit mit unsicherem Ausgang: Sie lehnten sich gewaltsam gegen ihre Ausbeutung auf und lehrten die Wirtschaft das Fürchten. Am Ende scheiterten sie nicht am Widerstand des Systems, sondern an einer grundlegenden Theorie, die sich als falsch herausstellen sollte. Festgehalten ist diese Sternstunde im „Sinn des Lebens“ . Dazu muss nun immerhin gesagt werden: Der eine oder andere unserer heutigen rüstigen Minijobber hat diesen großen Wurf Monty Python‘s zweifellos im Kino gesehen; und hätte folglich darüber nachdenken können, ob es das ist, was er will – lange, bevor Frau Nahles (damals dreizehn Jahre jung) das eingangs erwähnte Angebot unterbreiten konnte.

senioren_minijobsSicher ist es keine gewagte Prognose: Unser gesamtes Umfeld wird anspruchsvoller werden – während unseres Arbeitslebens sowie auch danach. Es kann also gar nicht schaden, sich mit der Frage nach dem Sinn zu beschäftigen; das zu tun ist durchaus kein Privileg der Millennials, denen diese Frage ja oft nachgesagt wird.

Selbsterkenntnis ist oft der erste Schritt zur Besserung. Probieren Sie es doch einfach einmal aus, am besten gleich heute Abend: Klicken Sie sich zunächst durch die Wertewelten der Andrea Nahles (dauert keine fünf Minuten, ist also definitiv sogar Millennial-kompatibel). Als Begleitprogramm für die innere Klausur danach empfehlen sich ein gepflegter Primitivo sowie Rainald Grebe, ein musikalischer Meister der Sinnentleerung mit Hintergedanken – und damit gewissermaßen die Fortsetzung von Monty Python mit anderen Mitteln.

Das Ganze funktioniert natürlich auch als Gruppentherapie: In dem Fall bereiten Sie doch Konversationstäfelchen vor. Auf dem ersten könnte dann – als Einstieg in die Diskussion – der Sinn des Lebens stehen, wie Monty Python ihn 1983 definierten:

Seien Sie nett zu Ihren Nachbarn, vermeiden Sie fettes Essen, lesen Sie ein paar gute Bücher, machen Sie Spaziergänge und versuchen Sie, in Frieden und Harmonie mit Menschen jeden Glaubens und jeder Nation zu leben.

Gutes Gelingen!