herzogMan könnte glatt Routine entwickeln: Das Zusammenfallen von Medialisierung und Lebensalter führt eben dazu, dass uns „dieser Tage“ gefühlt mehr Wortführer und Lotsen verlassen als in früheren Zeiten.

Dennoch: Mit Roman Herzog geht ein Mann, der es verdient hat, Social Media-kompatibel erinnert zu werden: Auf den ersten Blick spröde und unspektakulär, zudem eingesegnet mit einem Akzent, der es dem Land nördlich des Weißwurst-Äquators nicht eben erleichtert, einen aus dem „Süden“ Ernst zu nehmen, war Herzog bemerkenswert feinsinnig und plakativ. Kostproben finden sich hier.

Roman Herzog hat eine wahrhafte Jahrhundert-Rede gehalten. Wäre der Mann Komponist gewesen, diese Rede würde in seinem Werkverzeichnis wohl als die „mit dem Ruck“ aufgenommen worden sein.

Herzogs Forderung, dass eben jeder ein persönliches Opfer zu erbringen habe, liegt inzwischen 20 Jahre zurück – in unserer Zeit der Sekunden-Aufmerksamkeitsökonomie eine schier unvorstellbare Spanne. Dennoch sind seine Worte bis heute gültig. Prognosekraft: Genau das markiert eben den Unterschied zwischen einer Jahrhundert-Rede und der sehr flüchtigen, zum Postfaktischen neigenden Kakophonie des „Sozialen“ Internets.

Wir sollten es versuchen – denn es gibt Anlass:

Ich glaube daran, dass die Deutschen ihre Probleme werden lösen können. Ich glaube an ihre Tatkraft, ihren Gemeinschaftsgeist, ihre Fähigkeit, Visionen zu verwirklichen. Wir haben es in unserer Geschichte immer wieder gesehen: Die Deutschen haben die Kraft und den Leistungswillen, sich am eigenen Schopf aus der Krise herauszuziehen – wenn sie es sich nur zutrauen.