Klimawandel? Nein danke! Kaum eine Stunde nach Amtsantritt des 45. US-Präsidenten war das Thema, neben anderen, vom Tisch – jedenfalls von dem im Oval Office: Dann war die Website des Weißen Hauses um den Komplex bereinigt. Problembehebung per Mausklick – wenn es nur so einfach wäre.

Im besseren Fall wäre Donald J. Trump (der seinen Secret Service Code-Namen „Mogul“ selbst ausgewählt hat) wie die amüsante Figur Palmström des Dichters Morgenstern:

Und er kommt zu dem Ergebnis:

„Nur ein Traum war das Erlebnis.

Weil“, so schließt er messerscharf,

„Nicht sein kann, was nicht sein darf“.

Mutmaßlich verhält es sich anders. Und so drohen die Bemühungen der Weltgemeinschaft um eine Eingrenzung der Klimawandelfolgen unter die Räder einer Politik zu geraten, die mit Vollgas 180-Grad-Kehrtwenden vollzieht und dabei „alternative Fakten“ präsentiert oder schlichtweg auf jede Argumentation verzichtet und einfach dekretiert.  Das alles in einem Land, das nach China der zweitgrößte CO2-Emittent weltweit ist.

Themenseiten aus virtuellen Regierungspräsenzen zu verbannen, ist eines. Ein anderes ist, die eigenen Forschungseinrichtungen und Behörden, die weltweit zu den wichtigsten zählen, in ihrem Handeln einzuschränken. Seit Wochen ist ein Datenexodus im Gange, weil NASA, EPA & Co. ihre Erkenntnisse für die globale Klimawandelforschung erhalten wollen. Die Forscher treibt die Sorge um, dass die Trump-Administration den Servern die Leitungen kappen könnte. Wie gesagt: Wir sprechen über die Vereinigten Staaten von Amerika. Man ist versucht zu fragen, wo eigentlich Jan Böhmermann bleibt.

Die US-Wissenschaft geht aber auch andere Wege – und sucht die Auseinandersetzung. Seit Neuestem unterstreicht eine Online-Slideshow der NASA eindrücklich die Auswirkungen des Klimawandels – die Antwort der Raumfahrtbehörde auf die politische Forderung, sie solle doch lieber die Marsmission vorantreiben.

http://climate.nasa.gov/images-of-change?id=597#597-landslide-in-glacier-bay-national-park-and-preserve-alaska

Und: Die Forscher gehen in den virtuellen Untergrund: So sind eine Reihe von Twitter-Accounts entstanden, die scheinbar von Mitarbeitern der NASA, der Umweltbehörde EPA oder dem Nationalparkdienst NPS betrieben werden, darunter:

https://twitter.com/StollmeyerEU/lists/twistance/members

https://twitter.com/RogueNASA

Hier werden in hoher Schlagzahl und zeitgemäß kompakt Fakten rund um den Klimawandel abgesetzt. Zusammen genommen haben die Kanäle bereits eine deutlich siebenstellige Gefolgschaft.

Die Wissenschaft folgt damit in Echtzeit den Medien, die – ebenfalls bereits in den ersten Amtsstunden zurechtgewiesen – direkt umschalteten und den präsentierten, bestrittenen Fakten weitere nachfolgen ließen. Klare Kante, so würde unser Bundeswirtschaftsminister diesen Vorgang wohl bezeichnen.

Natürlich reicht es nicht hin, Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen. Schlussfolgerungen sind gefragt – und persönliches Handeln. Knapp neun Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr sind schlicht zu viel. Eine Freundin schickte mir einen Auszug aus Roger Willemsens Essay „Wer wir waren“:

„…rieben uns aber auf am Horizont einer Arbeit, die ein Unternehmen stärken, erfolgreicher, effektiver machen sollte, aber nicht Lebensfragen beantworten, das Überleben sichern helfen würde. Kaum blickten wir in die Vergangenheit, sahen wir nichts als Fortschritt. Kaum blickten wir in die Zukunft, nichts als Niedergang. Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, die begriffen, aber sich nicht vergegenwärtigen konnten, voller Information, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, nicht aufgehalten von uns selbst.“

WIR sind randvoll mit Wissen, aber (noch) mager an Erfahrung. Damit Letzteres der Fall bleibt, könnten wir noch handeln.

In den Vereinigten Staaten von Amerika avanciert dieser Tage übrigens ein anderes Buch zum Bestseller: Sinclair Lewis‘ „It can’t happen here“ aus dem Jahr 1936. Es handelt von einem machthungrigen Politiker, dessen Wahlkampfversprechen „To make America a proud, rich country again“ lautet; der vorgibt, sich für die „forgotten men“ einzusetzen; und der gegen die „Bücher-Eliten“ poltert und wettert. Am Ende scheitert der Mann.

Es bleibt, dem 45. US-Präsident Einsicht zu wünschen – oder aber (ohne NASA-Unterstützung) eine gute Reise:

https://www.youtube.com/watch?v=0aV70sR_AgA